Nervenschmerzen bei Polyneuropathie in Beinen und Füßen
Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, die oft Beine und Füße betrifft. Typische Symptome sind Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühle, ausgelöst durch verschiedene Ursachen. Frühzeitige Diagnose und individuelle Therapie sind wichtig für den Umgang mit der Erkrankung.
Ursachen der Polyneuropathie
Polyneuropathie beschreibt die Schädigung zahlreicher peripherer Nerven, insbesondere in den distalen Bereichen wie Füßen und Unterschenkeln. Ursachen sind in Deutschland 2026 vor allem:
- Diabetes mellitus als häufigste Ursache
- Alkoholkonsum mit toxischer Nervenschädigung
- Vitaminmangel, insbesondere Vitamin B12
- Chronische Entzündungen und Autoimmunerkrankungen
- Medikamentöse Nebenwirkungen (z.B. Chemotherapie)
- Erbliche Erkrankungen
Diese Faktoren führen zu einer Degeneration der Nervenfasern, die für Sensibilität und Motorik zuständig sind.
Symptome bei Polyneuropathie
Typische Symptome betreffen vorrangig sensorische Funktionen, können aber auch motorische und autonome Nerven einschließen:
- Kribbeln und Taubheitsgefühle vor allem in den Füßen
- Brennende oder stechende Schmerzen (neuropathische Schmerzen)
- Muskelschwäche und Koordinationsprobleme
- Veränderter Temperaturempfindung
- Fußulzera bei vermindertem Schmerzempfinden
Diese Beschwerden treten meist symmetrisch und zunächst in den distalen Gliedmaßen auf und können sich progressiv ausbreiten.
Diagnostische Verfahren in Deutschland
Die Abklärung erfolgt in der Regel initial durch Hausärzte. Bei Verdacht auf Polyneuropathie wird eine Überweisung an einen Neurologen empfohlen. Die Diagnostik umfasst:
- Klinische neurologische Untersuchung
- Nervenleitgeschwindigkeitstests (Neurophysiologie)
- Laboruntersuchungen (z.B. Blutzucker, Vitaminstatus, Entzündungsmarker)
- Ultraschall der Nerven
- Biopsie in Ausnahmefällen
Eine sorgfältige Anamnese ist essenziell, um mögliche Ursachen zu identifizieren und damit Therapieentscheidungen zu unterstützen.
Therapeutische Ansätze
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und den vorherrschenden Symptomen. In Deutschland umfasst die Therapie:
Medikamentöse Therapie
- Schmerzmittel speziell für neuropathische Schmerzen (Antikonvulsiva wie Pregabalin, Gabapentin; Antidepressiva wie Amitriptylin)
- Behandlung der Grunderkrankung (z.B. Blutzuckerkontrolle bei Diabetes)
- Vitaminergänzungen bei Mangelzuständen
Diese Medikamente reduzieren meist nur die Symptome, eine vollständige Heilung ist häufig nicht möglich.
Physikalische und supportive Therapien
- Physiotherapie zur Verbesserung von Kraft, Koordination und Mobilität
- Ergotherapie für Feinmotorik und Alltagsbewältigung
- Orthopädische Hilfsmittel zur Stabilisierung (z.B. Einlagen, Orthesen)
- Regelmäßige medizinische Fußpflege zur Prävention von Ulzera
Alltagsanpassungen und Selbstmanagement
- Vermeidung von Risikofaktoren wie Alkohol und Nikotin
- Ausgleich des Vitaminhaushalts via Ernährung oder Supplemente
- Schutz der Füße vor Verletzungen aufgrund verminderter Sensibilität
Versorgungssituation in Deutschland
In Deutschland bestehen strukturierte Versorgungsangebote für Patienten mit Polyneuropathie:
- Hausärztliche Betreuungsstrukturen mit Koordination von Fachärzten
- Neurologische Spezialambulanzen und Kliniken
- Rehabilitationsangebote mit Schwerpunkt auf neurologischer Erkrankung
- Kostenübernahme für notwendige Hilfsmittel durch Krankenkassen
- Medizinische Fußpflege bei ärztlicher Verordnung erstattungsfähig
Die Beantragung von Pflegeleistungen ist möglich, wenn die Erkrankung den Pflegegrad im Sinne des SGB XI beeinflusst.
Forschung und Entwicklung 2026
Aktuelle Forschung in Deutschland untersucht neue Therapieansätze wie:
- Verwendung von Neurostimulationsverfahren zur Schmerzlinderung
- Regenerative Ansätze mit Wachstumsfaktoren
- Individualisierte medikamentöse Therapien auf genetischer Basis
Diese Entwicklungen sind vorwiegend experimentell und nicht flächendeckend verfügbar.
Typische Kosten in Deutschland (2026)
Bei Polyneuropathie fallen unterschiedliche Kosten an, abhängig von Diagnose, Therapie und Hilfsmitteln. Übliche Preisspannen sind:
- Basisversorgung: Diagnostische Untersuchungen und medikamentöse Therapien werden meist von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
- Erweiterte Therapie: Physio- und Ergotherapie sowie medizinische Fußpflege sind anteilig erstattungsfähig, z. B. 10-30 Euro Eigenanteil pro Sitzung je nach Verordnung.
- Hilfsmittel: Orthesen oder spezielle Schuhe können je nach medizinischer Notwendigkeit von Kasse bewilligt werden, Eigenanteile variieren zwischen 20 und 100 Euro.
Private Zusatzversicherungen können weitere Kosten abdecken, die gesetzliche Grundversorgung stellt jedoch die Basis der Behandlungen dar.
Langfristige Perspektiven
Polyneuropathie gilt häufig als chronische Erkrankung mit variabler Prognose. Die Kontrolle von Ursachen und Symptomlinderung stehen im Vordergrund. Fortschritte in der Diagnostik und Therapie könnten die Lebensqualität in den nächsten Jahren weiter verbessern.
In Deutschland bleibt die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Allgemeinmedizin, Neurologie, Rehabilitationsmedizin und Pflege zentral für die Versorgung Betroffener.