Metastasierter HER2-positiver Brustkrebs: Therapieoptionen und Entwicklungen im Jahr 2025
Wussten Sie, dass moderne HER2-Therapien wie Antikörper, innovative ADCs und orale Medikamente den Krankheitsverlauf deutlich verlängern können? Erfahren Sie, wie personalisierte Behandlung und neue Ansätze Ihre Lebensqualität und Therapieoptionen heute und morgen verbessern.
Metastasierter HER2-positiver Brustkrebs: Therapeutische Grundlagen 2025
HER2 (Human Epidermal growth factor Receptor 2) ist ein Wachstumsfaktor-Rezeptor, der bei etwa 15–20 % der Brustkrebspatientinnen übermäßig auf den Tumorzellen exprimiert wird. Diese Überexpression fördert das Wachstum und die Ausbreitung der Krebszellen. Die Bestimmung des HER2-Status erfolgt routinemäßig mittels Immunhistochemie (IHC), eine essenzielle Voraussetzung für die Auswahl einer zielgerichteten HER2-Therapie.
Die Therapie beim metastasierten HER2-positiven Brustkrebs verfolgt das Ziel, das Tumorwachstum zu kontrollieren und die Lebensqualität zu erhalten oder zu verbessern. Dabei kommen verschiedene Wirkstoffklassen zum Einsatz, die sich ergänzen und oft in Kombination verabreicht werden:
- HER2-gerichtete Antikörper: Trastuzumab und Pertuzumab blockieren die HER2-Rezeptoren auf der Zelloberfläche und verhindern Wachstumsimpulse.
- Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC): Kombinationen, die zielgerichtet eine Chemotherapie in die Krebszelle einschleusen, wie Trastuzumab Deruxtecan, werden angewendet.
- HER2-Tyrosinkinasehemmer (TKI): Kleine Moleküle wie Lapatinib, Tucatinib und Neratinib hemmen die intrazelluläre Tyrosinkinase und werden insbesondere bei Therapieresistenz beziehungsweise als orale Optionen eingesetzt.
Moderne HER2-Therapien mit Antikörpern und ADCs
Trastuzumab & Pertuzumab – etablierte HER2-Antikörper
Trastuzumab (Herceptin) und Pertuzumab binden selektiv an unterschiedliche Stellen am HER2-Protein und verhindern so die Übertragung von Wachstumssignalen in die Krebszelle. Diese Antikörper werden in der Regel per Infusion oder als Injektion verabreicht, oft alle drei Wochen oder wöchentlich. Die Infusionen dauern zwischen 30 und 90 Minuten. Nach Gabe bleiben Patientinnen zu Nachbeobachtungen, um mögliche unmittelbare Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen.
Kombiprotokolle aus Trastuzumab, Pertuzumab und Chemotherapie sind gängige Behandlungsoptionen bei metastasiertem HER2-positivem Brustkrebs. Die Nebenwirkungen erfordern eine sorgfältige medizinische Überwachung, da Herzprobleme und allergische Reaktionen möglich sind.
Antikörper-Wirkstoff-Konjugate: Trastuzumab Deruxtecan (T-DXd)
Trastuzumab Deruxtecan ist ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat, bei dem der HER2-Antikörper das Zytostatikum Deruxtecan direkt zur Krebszelle trägt, um diese gezielt zu zerstören. Die Wirkung wurde auch bei Patientinnen mit Hirnmetastasen beobachtet, da der Wirkstoff die Blut-Hirn-Schranke teilweise passieren kann.
In der DESTINY-Breast12-Studie lebten Patientinnen mit fortgeschrittenem HER2-positivem Brustkrebs im Median über 17 Monate ohne Krankheitsprogression. Ein Teil der Hirnmetastasen zeigte eine Verkleinerung, und viele der behandelten Patientinnen lebten ein Jahr nach Therapiebeginn. Trastuzumab Deruxtecan ist in Deutschland zugelassen und wird zunehmend eingesetzt.
Weitere ADCs werden derzeit in klinischen Studien untersucht, z. B. im Kontext von Vorbehandlungen (neoadjuvant) oder Deeskalationsstrategien.
HER2-Tyrosinkinasehemmer als orale Therapieoptionen
Kleine Moleküle wie Lapatinib, Tucatinib und Neratinib blockieren den HER2-Tyrosinkinase-Signalweg intrazellulär und bieten zusätzliche Behandlungsoptionen, insbesondere bei bereits vorbehandelten oder therapieresistenten Tumoren.
- Lapatinib und Tucatinib werden meist in Kombination mit anderen Krebsmedikamenten wie Chemotherapie oder endokriner Therapie eingesetzt und sind für fortgeschrittene oder metastasierte Erkrankungen zugelassen.
- Neratinib ist zusätzlich für ausgewählte Patientinnen in der adjuvanten Therapie zugelassen und kann auch bei metastasierter Erkrankung in Frage kommen.
Diese Tabletten werden oral eingenommen, was mehr Flexibilität ermöglicht, da oft kein Krankenhausaufenthalt erforderlich ist.
Immuntherapie bei HER2-positivem Brustkrebs: Aktueller Stand und Forschung
Im Moment ist die Immuntherapie, beispielsweise mit Checkpoint-Inhibitoren, beim HER2-positiven Brustkrebs noch nicht als Standardtherapie etabliert. Der Einsatz erfolgt vorwiegend beim triple-negativen Brustkrebs.
Für HER2-positive Krebserkrankungen werden jedoch aktuelle Forschungsprojekte und klinische Studien durchgeführt, die Kombinationen von Immuntherapie und zielgerichteten Medikamenten untersuchen. Ziel ist, das Immunsystem bei der Bekämpfung des Tumors zu unterstützen und Therapieresistenzen zu überwinden. Breit zugelassene Immuntherapien für metastasierten HER2-positiven Brustkrebs sind bisher nicht vorhanden.
Umgang mit Resistenz gegenüber HER2-Therapien
Resistenzentwicklung gegenüber HER2-Therapien stellt weiterhin eine Herausforderung dar. Einige Tumore reagieren anfangs auf die Behandlung, entwickeln jedoch im Verlauf Resistenzmechanismen, die das Tumorwachstum wieder fördern.
Derzeitige Forschungsaktivitäten und klinische Studien beschäftigen sich damit, diese Mechanismen besser zu verstehen und mit neuen Wirkstoffkombinationen oder innovativen Medikamenten, etwa neuen ADCs oder bispezifischen Antikörpern, dagegen vorzugehen.
Informationen zu einem bispezifischen Antikörper gegen den P95HER2-Rezeptor, eine truncierte Form des HER2-Proteins, sind bisher limitiert, und ein klinischer Einsatz im Jahr 2025 ist nicht etabliert.
Diagnostik des HER2-Status per Immunhistochemie
Die exakte Bestimmung des HER2-Status erfolgt durch Immunhistochemie (IHC) und ist essenziell für die Therapieentscheidung:
- IHC 3+: Positiver HER2-Status — deutliche Überexpression, Indikation für zielgerichtete HER2-Therapien.
- IHC 0–1+: Negativ – HER2-Therapie normalerweise nicht angezeigt.
- Grenzfälle (IHC 2+) werden durch In-situ-Hybridisierung (ISH) weiter abgeklärt.
Diese diagnostischen Verfahren werden in Deutschland standardisiert verwendet und bilden die Basis für personalisierte Behandlungsansätze.
Hinweise für Patientinnen mit metastasiertem HER2-positivem Brustkrebs in Deutschland 2025
- Die Therapieauswahl berücksichtigt unter anderem den HER2-Status, hormonelle Rezeptoren, die Ausbreitung der Metastasen, bisherige Therapien und Begleiterkrankungen.
- Häufig werden HER2-Antikörper mit Chemotherapie oder endokriner Therapie kombiniert, um eine optimale Wirkung zu erzielen.
- Orale HER2-Tyrosinkinasehemmer bieten eine alternative Behandlungsmöglichkeit, die eine wohnortnahe Anwendung ermöglicht.
- Zielgerichtete Therapien können Nebenwirkungen hervorrufen; regelmäßige ärztliche Überwachung ist deshalb wichtig.
- Bei Nebenwirkungen sind Dosisanpassungen oder Therapiepausen möglich.
- Kostenfreie Beratung zu Therapieoptionen und Nebenwirkungen bieten Krebsinformationsdienste in Deutschland.
Weiterführende Entwicklungen in der HER2-Therapie
Zukünftige Entwicklungen in der Behandlung des metastasierten HER2-positiven Brustkrebses umfassen:
- Fortschritte und Zulassungen neuer Antikörper-Wirkstoff-Konjugate.
- Klinische Studien zu Kombinationstherapien, die Wirksamkeit und Verträglichkeit verbessern könnten.
- Forschungsansätze zur Integration von Immuntherapien bei HER2-positivem Brustkrebs.
- Strategien zur Überwindung von Resistenzmechanismen sowie personalisierte Behandlungsansätze anhand molekularer Tumoranalysen.
Deutschland ist in internationalen Studien zu neuen HER2-Therapien aktiv beteiligt.
Im Jahr 2025 stehen Patientinnen mit metastasiertem HER2-positivem Brustkrebs in Deutschland verschiedene zielgerichtete Therapien zur Verfügung. Der Einsatz von Antikörpern wie Trastuzumab und Pertuzumab, Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten wie Trastuzumab Deruxtecan und HER2-Tyrosinkinasehemmern kann die Lebenszeit verlängern und die Lebensqualität verbessern. Die Diagnostik mittels Immunhistochemie ist grundlegend für die individuelle Therapieentscheidung. Resistenzentwicklungen bleiben eine Herausforderung, doch laufende Forschung und klinische Studien zeigen Wege zur Weiterentwicklung der Behandlung. Die Immuntherapie ist aktuell noch nicht Standard, wird aber weiter erforscht. Insgesamt gibt es Fortschritte durch neue Wirkstoffe und personalisierte Therapiekonzepte.
Quellen
- Krebsinformationsdienst: Brustkrebs: Zielgerichtete Therapien und Immuntherapie (aktualisiert 2025)
- LMU Klinikum München: Riesenfortschritt in der Brustkrebsbehandlung
- Deutsche Krebsgesellschaft: Brustkrebs / Mammakarzinom
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